Mehr Krankheiten durch Klimawandel?

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Schmelzende Gletscher, Stürme, Überschwemmungen: Die Folgen des Klimawandels sind bereits jetzt allgegenwärtig. Was viele Menschen jedoch nicht wissen: Durch die höheren Temperaturen erweitern Tiere ihre Lebensräume – insbesondere Insekten geraten in nördliche Regionen. Und mit ihnen könnte es zu einer Flut neuer exotischer Krankheiten in Europa kommen.  Wie groß ist die Gesundheitsgefahr durch die neuen Erreger?

Laut dem Robert Koch-Institut sind die Fallzahlen von importierten Infektionskrankheiten, wie dem Dengue-Fieber, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 879 Dengue-Fieber-Erkrankungen wurden 2013 allein in Deutschland ermittelt, eine Steigerung von 43 Prozent zum Vorjahr. Im Jahr 2012 waren es 616 Fälle.[1] Das Dengue-Fieber kann von Stechmücken, wie der asiatischen Buschmücke übertragen werden, die sich als Folge der Erwärmung unlängst auch in Deutschland etabliert hat. Treten durch den Klimawandel vermehrt Krankheiten auf?

Dass das Ansteigen der Temperaturen zu einer veränderten Verbreitung von Tierarten führt, ist unumstritten.  Der fortschreitende Klimawandel führt zu einer Verschiebung der Lebensräume von Insekten wie Käfern und Spinnen. Aber auch potenzielle Krankheitsüberträger wie Zecken, Mücken und Wanzen verbreiten sich. Sie wandern aus dem Mittelmeerraum oder tropischen Gebieten in Afrika und Asien nach Deutschland ein.

Milde Winter ermöglichen zudem verlängerte Aktivitätsperioden pro Jahr und begünstigen eine hohe Überlebensrate sowie beschleunigte Generationsfolgen. All das sorgt für ein erhöhtes Infektionsrisiko.

In Deutschland betrifft das vor allem den Virus der Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME), der durch Zecken übertragen wird. Während im Jahr 2012 insgesamt 195 FSME-Erkrankungen übermittelt wurden, waren es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2013 bereits 420.[2] Durch die veränderten klimatischen Bedingungen wandern die Zecken zusätzlich nach Nordeuropa und FSME tritt auch in höheren Regionen auf.

Eine weitere entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Infektionskrankheiten spielt die Globalisierung: Der ständige internationale Austausch von Waren sowie die Einreise von Mensch und Tier ermöglichen ein ungehindertes Eindringen von fremden Erregern. Das Auftreten der südostasiatischen Tigermücke in Europa wird beispielsweise auf die Einfuhr infizierter Hunde zurückgeführt. Auch die Verbreitung des Dengue-Fiebers wird durch die globalisierten Umstände begünstigt. Für die weitere Ausbreitung und Etablierung der Erreger ist jedoch die Klimaerwärmung entscheidend.

Das Gesundheitsrisiko insgesamt lässt sich aufgrund der Vielzahl von Faktoren nur schwer einschätzen. Die Medizin muss sich langfristig aber darauf einstellen, dass es ein Vordringen von fremden Erregern, die durch tierische Überträger aus dem Mittelmeerraum oder tropischen Gebieten einwandern, geben wird. Der Klimawandel ist somit für die Medizin von zentraler Bedeutung.

 

Simone Gerhardt

 

Bildquellenangabe: Joujou  / pixelio.de

Quelle:

Robert Koch- Institut Epidemiologische Bulletin (http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2014/Ausgaben/15_14.pdf?__blob=publicationFile)

Robert Koch-Institut Infektionsepidemiologisches Jahrbuch (http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2013.pdf?__blob=publicationFile)

Medizinische Universität Wien (http://www.meduniwien.ac.at/homepage/menschen/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=271&cHash=2a150048f3b90a65b3327e89c35600ae)

[1] http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2013.pdf?__blob=publicationFile

[2] http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2014/Ausgaben/15_14.pdf?__blob=publicationFile