“Münster ist eine großartige Stadt” – Interview mit dem ehemaligen Box-Profi Farid Vatanparast

ibo_polo_muenster_00339_klein

Der gute Zweck des zehnten Polopicknicks ist gefunden: Die Erlöse des Turniers gehen an das pädagogische Boxtraining „Farid´s QualiFighting“ des ehemaligen Profis Farid Vatanparast. Der erzählt im Gespräch, wofür er die Spenden einsetzen will und warum er Münster liebt.

Herr Dr. Vatanparast, spielen Sie Polo?
Polo spiele ich nicht. Allerdings habe ich eine große Affinität zu Pferden. Ich habe sehr früh angefangen zu reiten – das war sozusagen mein allererster Sport. Daher freue ich mich sehr, dass das Polopicknick mich auch meinen sportlichen Ursprüngen wieder etwas näher bringt. Ich werde definitiv kommen und freue mich auf die Pferde.
Würden Sie gerne einmal den Poloschläger schwingen?
Grundsätzlich ja. Aber ich befürchte, ich sehe auf einem Pferd nicht so gut aus wie manch anderer – dafür müsste ich noch mal ordentlich trainieren und mich in Form bringen.

Kennen Sie das Polopicknick?
Ich glaube jeder, der im Münsterland lebt, hat schon einmal vom Polopicknick gehört. Es ist sicherlich eine der Top-Sportveranstaltungen der Region. Ich war noch nicht persönlich vor Ort – meine Schwester war allerdings schon häufiger da und hat mir viel Positives berichtet. Sie hat mir erzählt, dass der Sport sehr, sehr schnell ist und die Mischung aus Picknick und Leistungssport einmalig ist. Ich bin sehr neugierig und gespannt.

Das Projekt „Farid´s QualiFighting“ ist der Charity-Zweck des diesjährigen Polopicknicks. Worum genau geht es denn in Ihrem Projekt?
„Farids´s QualiFighting“ ist ein sozial-integratives Projekt. Wir wollen junge Menschen aus problematischen Milieus in die Mitte der Gesellschaft bringen. Dafür nutzen wir den Rahmen des Boxsports. Boxen macht den Jugendlichen in erster Linie Spaß, gibt ihnen Ziele, und – ganz, ganz wichtig – sie bekommen die Wertschätzung, die sie verdienen. Die jungen Menschen lieben den Boxsport, sie würden alles dafür tun. Diese Energie birgt ein ungeheures Potenzial und ist eine große Chance für eine gelungene Integration.
Beim Boxen kommt hinzu, dass man körperlich topfit und sehr diszipliniert sein muss. Man lernt, seine Kraft zu kontrollieren und wird Teil einer Gemeinschaft, in der man füreinander da ist und in der Verantwortung für andere übernommen wird.

Ist Ihr Projekt denn wirklich nachweislich erfolgreich? Könnte man nicht meinen, dass Boxen zu wenig ist?
Natürlich ist Boxen zu wenig. Aber unser Konzept ist ja vielmehr: Wir koppeln das Boxen mit einem geregelten Alltag und festen Regeln. Beispielsweise dürfen die Teilnehmer erst am Training teilnehmen, wenn sie gelernt und ihre Hausaufgaben erledigt haben. Dann können sie kommen und dürfen gratis am Boxtraining auf hohem Niveau teilnehmen.
Wir haben dadurch beachtliche Erfolge erzielt. Die Schulleistungen sind im Durchschnitt um eine ganze Note gestiegen. Dafür sind wir auch mehrfach ausgezeichnet worden: 2008 zum Beispiel mit dem Deichmann Förderpreis gegen Jugendarbeitslosigkeit, 2009 mit dem Deutschen Förderpreis Kriminalprävention oder 2012 mit dem Deutschen Bürgerpreis in der Kategorie „Engagierte Unternehmer“.

Was wird „Farid´s QualiFighting“ mit dem gespendeten Geld machen?
Wir haben viel Arbeit vor uns – die Unterstützung durch das Polopicknick kommt da wie gerufen. Die jungen Menschen sollen besseres Equipment, bessere Räumlichkeiten, einfach bessere Voraussetzungen für ihr Training bekommen. Hinzu kommen Aufwendungen für Fahrten zu Wettkämpfen. Wie gesagt: Wir wollen den Kindern und Jugendlichen zeigen, dass unsere Gesellschaft sie braucht und sie wertschätzt. Das kommt häufig viel zu kurz. Der demographische Wandel verlangt von uns, dass wir uns um diese jungen Menschen kümmern und ihnen deutlich machen, dass Sie unsere Zukunft sind. Wir sind auf sie angewiesen.
Außerdem werden wir ab August der Bundesstützpunkt für Nachwuchs-Boxer sein. Viele Boxer werden nach Münster kommen und hier trainieren. Das ist auch eine große Chance: Denn die Gesellschaft kann noch mehr zueinander finden und aufeinander zugehen: Die Menschen können hierher kommen und den Jugendlichen beim Training zusehen. Man wird vermehrt Verantwortung füreinander übernehmen. Genau darauf kommt es an.

Polo und Boxen – gibt es da eine Verbindung?
Beides ist Sport, damit gibt es natürlich viele Verbindungen. Beides ist anspruchsvoll, verlangt höchste Konzentration und viel, viel Arbeit. Beides ist rasant, hart und leider auch manchmal mit Verletzungen verbunden.
Aber in erster Linie geht´s ja um die Menschen und wie sie den Sport definieren. Und da gibt es eine starke Verbindung zwischen mir und Sebastian Schneberger, dem Veranstalter des Polopicknicks. Denn wir wollen beide die Gesellschaft öffnen: Wir bringen Menschen verschiedener Gesinnung und Milieus zusammen. Sebastian hat eines der wenigen Poloturniere geschaffen, bei dem jeder so sein kann wie er möchte, bei dem es nicht nur um eine so genannte gesellschaftliche Elite geht: Hier begegnen sich ganz unterschiedliche Menschen, um gemeinsam zu picknicken und den Sport zu feiern.
Daher ist Sport die beste Möglichkeit, Menschen zu integrieren. Es geht dann nicht mehr darum, woher Du kommst, sondern darum, wer Du bist und wer Du sein kannst. Was für einen Job Du hast oder wie viel Geld Du besitzt, ist beim Sport völlig egal. Diese Erkenntnis haben Sebastian und ich gemeinsam. Ich glaube, das ist auch der Grund, aus dem sich Sebastian und Rhea Gutperle (Geschäftsführerin des Polopicknicks, Anm. d. Red.) für unser Projekt entschieden haben.

Sie sind in Teheran geboren. Haben Sie ein Auge auf die politische Entwicklung in der Region? Und wie bewerten Sie mit ihrer internationalen Erfahrung die sozialen Zustände in Deutschland?
Leider habe ich, ehrlich gesagt, nicht mehr viele Verbindungen zum Iran. Persisches Essen kann ich allerdings jedem empfehlen.
Was die politische Situation im Iran betrifft: Ich wünsche mir für alle Menschen, egal wo, dass sie genau so gute Chancen bekommen, wie hier in Deutschland. Deutschland ist einfach ein wunderbares Land. Wenn ich mir alleine Münster anschaue: Ich kenne hier so viele engagierte Menschen, die sich in der Gesellschaft einbringen – das ist vorbildlich. Ich glaube, die Deutschen haben verstanden, dass sie eine Multikulti-Nation sind und machen das Beste draus. Das ist sehr schön im alltäglichen Leben zu sehen: Dieser Zusammenhalt, das Engagement, die Öffnung der Gesellschaft… Münster ist einfach eine großartige Stadt. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.

Können Sie sich vorstellen, gegen Herrn Schneberger zu boxen?
Ich glaube, Sebastian hat mich schon herausgefordert. Er ist halt ein Polospieler, will alles ausprobieren und steckt voller Mut. Ob ich da mithalten kann? – Ich bin nicht sicher. Aber Sie können sicher sein: Wir sind sehr, sehr dankbar für die Unterstützung durch das Polopicknick und werden uns etwas einfallen lassen, um diese Dankbarkeit beim Polopicknick zu zeigen.