Was gibt es als Händler bei der Kartonauswahl zu beachten

Der Bereich des Versandhandels wächst im Zeitalter des Internets unermüdlich und bringt neue Herausforderungen für involvierte Branchen sowie gesellschaftliche Diskussionen über Vor- und Nachteile mit sich. Händler freuen sich über blühende Märkte, doch um langfristig wirtschaftlich agieren zu können, bedarf es gewissem Knowhow. Gerade im Onlinehandel sind die Einstiegshürden für neue Unternehmer heute so niedrig, dass die Nachfrage in einigen Nischen schnell gesättigt werden kann. Um hier der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, ist es notwendig neben einer überzeugenden Produktqualität auch intelligenteres Handeln im Bereich Verpackungsmaterial und Logistik zu verinnerlichen.

Mehr als eine Hülle

Viele Händler begehen den Fehler vor der Markteinführung eines Produktes nicht umfassend zu recherchieren, um die perfekte Verpackungsart zu finden. Dies führt zu Problemen wie zu hohen Verpackungskosten, beschädigten Verpackungen zum Zeitpunkt der Annahme durch den Endkunden oder zu völlig unpassenden Dimensionen der Umverpackung gemessen an der eigentlichen Größe des versandten Produkts. Die Zeiten der primitiven Wellpappe, entwickelt im 19. Jahrhundert, als einziges Verpackungsmaterial im Warenversand sind lange vorbei. Natürlich hat sich das Prinzip einer quaderförmigen Umverpackung mit darin enthaltenen Packmitteln nicht geändert, vor allen Dingen nicht optisch, doch die aktuelle Industrie bietet heute im Gegensatz zu früher ein Vielfaches an hochqualitativen Sandwichmaterialien und avancierten Logistikprozessen. Die Grundmaterialien Karton und Pappe kommen immer noch zum Einsatz. Ihre Grenze ist ohnehin fließend und die Bezeichnungen für die materiell sehr ähnlichen Stoffe hängen hauptsächlich von ihrem Gewicht ab. Es lohnt sich aus unternehmerischer Sicht absolut, abhängig vom gewünschten Zweck einen spezialisierten Hersteller zu recherchieren. Während etwa Verbundkarton vorrangig zur Produktion von Lebensmittelverpackung verwendet wird, eignet sich das holzfreie Kartonmaterial „Chromolux“ für Luxusverpackungen hochpreisiger Produkte. In jedem Falle sollten mit dem Hersteller die Materialeigenschaften der Gestrichenheit und der verwendeten Deckschicht besprochen und kalkuliert werden. Ein besonders entscheidender Punkt neben der physikalischen Belastbarkeit der Verpackung ist die Bedruckbarkeit. Fragen Sie des Weiteren nach Eigenschaften der verfügbaren Wellen- und Verschlussarten beim verwendeten Kartonmaterial.

Die inneren Werte

Auf den Inhalt kommt es an. Dies gilt jedoch nicht nur für das Produkt an sich, sondern ebenso für die produktschützenden Packmittel. Dazu zählen etwa Materialien wie diverse Schaumstoffe, Luftpolsterfolie, Holzwolle aber auch Stoffe wie Trocken- und Oxidationsschutzmittel. Bei der logistischen Planung des Packprozesses müssen Sie gewisse Vorgaben des Verpackungsgesetzes beachten. Dieser Aspekt gestaltet sich allerdings eher wenig komplex und das Hauptaugenmerk liegt im Falle nichtgefährlicher Güter selbsterklärend auf dem Schutz vor Beschädigung durch Prall- und Stoßeinwirkung. Anders sieht es aus im Fall von offiziellem Gefahrgut. Unter diese Kategorie von Gütern fallen unter anderem Produkte, die als reizend, leicht entzündlich, explosiv oder umweltschädigend klassifiziert sind. Um ein gesetzeskonformes Vorgehen zu gewährleisten und sich rechtlich aus der Haftung zu nehmen, sollten Sie als Händler dringlichst ausgewiesene Gefahrgutkartons verwenden sowie vor dem Versand die korrekten Kennzeichnungen anbringen. Gefahrgutkartons enthalten meist eine wasserabweisende Beschichtung und besitzen einen Sicherheitsverschluss. Jedem Gefahrgut ist eine vierstellige UN-Nummer zugeordnet, die neben stoffabhängigen Warnhinweisen gut sichtbar und witterungsbeständig auf der Verpackung angebracht sein muss.

Smarte Verpackungen

Ein Schlagwort im Bereich der Verpackungsindustrie lautet heute unüberhörbar „Smart Packaging“. Wie aber ist der Begriff im Kontext von Kartonagen und Co zu verstehen? Es sei angemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Kategorien „aktive Verpackung“ und „intelligente Verpackung“, obwohl diese des Öfteren synonym verwendet werden. Sogenannte aktive Verpackungen können durch ihre materielle Beschaffenheit Stoffe absorbieren oder diese freigeben. Ein Anwendungsbeispiel wäre die Regulation von Luftfeuchtigkeit über die Absorption der Umgebungsluft. Intelligente Verpackungen sind klassifiziert als Objekt, das den Warenzustand überwachen kann und in erweiterte Kommunikation mit dem Kunden tritt. Ein Beispiel hierfür wäre die Kontrolle einer einzuhaltenden Kühlkette durch entsprechende integrierte Sensorik. Nun sind diese Szenarien der Logistik zum Großteil noch Zukunftsmusik. Dies liegt zum einen an der noch fehlenden Nachfrage durch zu hohe Preise für Sensorik und zum anderen an mangelnder Akzeptanz durch den Endkunden. Gerade der Aspekt des Umgangs mit sensiblen Daten in Verbindung mit internetabhängiger Infrastruktur ist in der EU ein heikles Thema. Um seine Affinität gegenüber zukunftsorientierter Verpackungsmodelle zu demonstrieren, kann man heutzutage als Händler allerdings ohne Sorge bereits die Option von aufgedruckten QR-Codes anwenden. Ihre Funktion ist nicht mehr allzu neu, doch hat mit flächendeckender Verbreitung von mobilen Endgeräten während der vergangenen zehn Jahre exponentiell an Akzeptanz hinzugewonnen. Immerhin ein futuristischer Touch ist hierbei vorhanden.

Nachhaltigkeit vereint Ökologie mit Ökonomie

Nachhaltigkeit ist im gesellschaftlichen Verständnis als Thema relevanter denn je. Es bezieht sich auf den globalen Aspekt des Klimaschutzes, den lokalen Gesichtspunkt des Umweltschutzes und als Nebenschauplatz unternehmensintern auf rentables Wirtschaften. Die Industrie der Kartons und Kartonagen ist von Haus aus insofern eine nachhaltige Branche, als dass die Rohstoffe Holzschliff, Zellstoff und Altpapier, die für die Herstellung von Karton und Pappe verwendet werden, Recyclingmaterialien sind. Ein „Rebranding“ hinsichtlich bereits ohnehin bestehender Umstände kann somit den Nachhaltigkeitsfaktor von Verpackungen aus Karton gezielt in den Vordergrund rücken. Um inhaltlich konsequent zu bleiben, ist es ratsam, auch bei den Füllmaterialien -wo immer möglich- rein auf biologisch abbaubare Optionen wie Papier, Holzwolle oder Verpackungschips aus Maisstärke zurückzugreifen. Es gilt dabei konventionelle Kunststoffe möglichst vollständig zu ersetzen. Sogenannte Biokunststoffe wie beispielsweise Bio-PET sind nicht biologisch abbaubar und preislich höher angesiedelt. Sie bringen in diesem Zusammenhang somit keine erkennbaren Vorteile mit sich. Einen Leitfaden und gleichzeitig die rechtliche Orientierung liefert hier auch das 2017 für Deutschland verabschiedete Verpackungsgesetz, das sich in sehr vielen Punkten auf das Thema Nachhaltigkeit bezieht.

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